Geflüchtete wollen Bildung und Demokratie

Mehr als eine Million Geflüchtete sind allein seit 2015 nach Deutschland gekommen. Was denken diese Menschen über Demokratie und Gleichberechtigung? Welche Qualifikationen und Berufserfahrungen haben sie und welche Ziele verfolgen sie? Über diese Fragen konnte bislang nur gemutmaßt werden. Nun gibt eine repräsentative Befragung mehrerer Forschungseinrichtungen erstmals eine fundierte Datengrundlage für die Analyse der Fluchtmigration und Integration. Erhoben wurden Flucht­ursachen und Fluchtwege, Bildungs­- und Erwerbsbiografien, Einstellungen und Per­sönlichkeitsmerkmale der Geflüchteten sowie ihre Integration in den Ar­beitsmarkt und das Bildungssystem. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie:

Wunsch nach Bildung

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© Agentur Gretchen

Die Geflüchteten zeigen insgesamt hohe Bildungsambitionen: 46 Prozent wollen einen allgemeinbildenden Schulabschluss in Deutschland machen, 66 Prozent einen beruflichen Abschuss. 23 Prozent streben einen akademischen Abschluss an. Zugleich wird ersichtlich, dass der Anteil der Menschen mit Berufs-­ und Hochschulabschlüssen gering und die Allgemeinbildung insgesamt sehr heterogen ausgeprägt ist: Auf der einen Seite gibt es viele Geflüchtete mit einer guten bis sehr guten Schulbildung und ähnlichen Schullaufbahnen wie in Deutschland. Auf der anderen Seite haben viele Geflüchtete entweder gar keine Schule oder nur eine Grundschule besucht. Da viele Berufe jedoch im Herkunftsland ohne formelle Ausbildung ausgeübt weden, verfügen die meisten Geflüchteten dennoch über Berufserfahrung. 73 Prozent waren im Heimatland erwerbstätig – 81 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen. „Die Integration in den Arbeits­markt und in das Bildungssystem steht erst am Anfang, allerdings zei­gen integrationspolitische Maßnahmen erste Wirkungen“, heißt es in der Analyse.

Ähnliche Wertevorstellungen

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© Agentur Gretchen

In ihren Wertvorstellungen haben die Geflüchteten mehr Gemeinsamkeiten mit der deutschen Bevölkerung als derjenigen des eigenen Herkunftslandes. Mit 96 Prozent spricht sich eine überwältigende Mehrheit der befragten Geflüchteten für die Demokratie als gewünschte Staatsform aus – bei den Deutschen sind es 95 Prozent. Ähnlich groß ist die Übereinstimmung hinsichtlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau: Je 92 Prozent der Geflüchteten und Deutschen halten „gleiche Rechte von Männern und Frauen“ für einen Bestandteil von Demokratien.

 Viele weitere Erkenntnisse

Die aktuell vorliegende Kurzanalyse umfasst weitere Ergebnisse, wie etwa zu den Themen Motive und Kosten der Flucht, Gründe für die Wahl Deutschlands als Zielland, Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Die Studie beruht auf einer repräsentativen Befragung von 2.349 Geflüchteten, die im Zeitraum von Juni bis Oktober 2016 durchgeführt wurde. Die Befragten waren im Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist. In den nächsten beiden Jahren sollen sie und weitere Geflüchtete erneut befragt werden – insgesamt soll die Analyse dann mehr als 4.500 Personen umfassen. Die Studie ist über folgende Links auf den Webseiten der beteiligten Institute abrufbar:

 Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, IAB

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, BAMF

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW


Beitrag vom 23. November 2016

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