Im Ernst jetzt: „A Syrious Look“

syrieninnen_issue_webDass Berlin zur Wahlheimat von Künstlern, Kreativen und Intellektuellen aus aller Welt erkoren wird, ist nichts Neues. Eine relativ junge Entwicklung ist jedoch der wachsende Zulauf von syrischen Kunstschaffenden in den letzten Jahren – bildende Künstler, Filmemacher, Dichter, Musiker. Ein neues Berliner Kulturmagazin wirft nun erstmals gezielt einen Blick auf die syrische Kulturdiaspora in der deutschen Hauptstadt: Ernsthaft, aber auch ein bisschen augenzwinkernd gibt es unter dem spielerischen Namen A Syrious Look Einblick in das Schaffen und Leben von syrischen Intellektuellen und Künstlern in Berlin. Und ermöglicht damit einen völlig anderen Blickwinkel auf Flucht und Geflüchtete, als man ihn gewohnt ist: Im Mittelpunkt steht ausdrücklich die Kunst.

Die Herausgeber der Zeitschrift: Mohammad Abou Laban, Ziad Adwan, Mario Münster (v.l.) | Foto: Saskia Kyas

„A Syrious Look“ ist nicht nur ein Heft über Syrer, sondern wurde auch unter Mitwirkung von Syrern entwickelt und umgesetzt: Die drei Herausgeber – Mario Münster, Medienmacher aus Berlin, Mohammad Abou Laban, Dichter und Drehbuchautor und Ziad Adwan Theater- und Filmregisseur – lernten sich im Herbst 2015 kennen und waren schnell von der gemeinsamen Idee überzeugt, den Kulturschaffenden aus Syrien eine Stimme zu geben.

Es folgte monatelange intensive Heftkonzeption und -produktion, in die ein multikulturelles und ausschließlich ehrenamtlich agierendes Team eingebunden war. Seit Ende November ist es nun soweit: Das Heft kann an ausgewählten Orten in Berlin für 11 Euro gekauft oder im Internet bestellt werden. Die Einnahmen fließen zu 50 Prozent als Spende in Organisationen, die kulturelle Aktivitäten in Syrien unterstützen, die anderen 50 Prozent kommen einem Kunst- und Schauspiel-Workshop für junge syrische Geflüchtete in Berlin zugute.

Foto: Saskia Kyas

Foto: Saskia Kyas

88 Seiten umfasst das großzügig gestaltete Magazin, in dem viel Raum Fotos von ausdrucksstarken Kunstwerken gewidmet ist. Reportagen, Interviews und Porträts mit Protagonisten der Kulturszene liefern eindrucksvolle Hintergründe zu ihren Arbeiten, Biographien und Ansichten. Dazu gehört auch das Gespräch mit Sadik Jalal Al Azm, einem der wichtigsten Philosophen Syriens, der kürzlich in Berlin verstorben ist. „Wir hatten das Glück, ihn im Frühjahr für unser Heft zu interviewen. Das Interview ist nun eines seiner letzten“, sagt Mario Münster, einer der Herausgeber von „ A Syrious Look“. Das Gespräch ist aufgrund dieser besonderen Situation im Internet veröffentlicht worden: Interview Sadik Al Azm.

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Foto: Saskia Kyas

Wenige Wochen nach Verkaufsstart zeigen sich die Herausgeber überwältigt von der positiven Resonanz auf das neue Magazin, insbesondere auch vom internationalen Interesse, das sich sowohl im Medienecho als auch in Bestellungen widerspiegelt. Mario Münster: „Die Verkäufe laufen sehr gut, gemessen am Standard für independent publishing. Wir verschicken das Heft nach New York, Amsterdam, Paris und Beirut.“

Erste Pläne für die Zukunft des Projekts werden bereits geschmiedet: „Wir wollen das Projekt fortsetzen mit einem Fokus auf das Thema ‚Exil’ beziehungsweise ‚Kultur und Communities im Exil’, berichtet Mario Münster. Unser Wunsch ist es, zwei Ausgaben pro Jahr zu machen. Dafür sind wir jetzt auf der Suche nachöffentlichen Fördertöpfen und Stiftungen, die uns dabei helfen, eine entsprechende Struktur aufzubauen.“

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