Way to Work – Wege in den Arbeitsmarkt

VBKI 2016 – VBKI Spiegel. Das Titelgespräch – Way to work: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Foto: Businessfotografie Inga Haar

Rund 22.000 anerkannte Geflüchtete im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 55 Jahren dürften laut Hochrechnungen 2016 in Berlin leben. Für sie steht nun an erster Stelle, sich durch Arbeit ein eigenständiges Leben aufzubauen. Welche Maßnahmen sind jetzt wichtig und wie müssen die verschiedenen Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenwirken, damit die Arbeitsmarktintegration gelingen kann? Diese Frage bildete den Rahmen des aktuellen VBKI-Titelgesprächs: Auf dem Podium saßen Franziska Birnbach, Start with a Friend e.V., Franziska Hartmann, Arrivo Berlin Übungswerkstätten, Mario Lehwald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Berlin Süd, und Moderator Gerd Appenzeller, ehemaliger Herausgeber des Berliner Tagesspiegels.

Das Spannungsfeld wurde bereits in der Begrüßung von Dr. Rainer Markfort deutlich: Laut einer Umfrage bestehe große Bereitschaft auf Arbeitgeberseite, Geflüchtete aufzunehmen – zugleich jedoch auch große Unsicherheit, wie das konkret ablaufen kann.

VBKI 2016 – VBKI Spiegel. Das Titelgespräch – Way to work: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Mario Lehwald, Agentur für Arbeit Berlin Süd | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Was die Bundesagentur für Arbeit leistet, um Geflüchteten den Weg in den Job zu ebnen, stellte Mario Lehwald vor, Leiter der Agentur für Arbeit Berlin Süd. Diese war einer ausgewählten Standorte für das Modellprojekt „Early Intervention“ der BA, das Anfang 2015 startete. Das Ziel: Asylantragsstellerinnen und -antragsteller mit hoher Bleibeperspektive sollen noch während des Asylverfahrens an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Im Januar dieses Jahres hat sich aus dem Modellprojekt das Team Asyl gegründet, ein zentraler Anlaufpunkt für die Berliner Wirtschaft zur Information, Beratung und Unterstützung bei der Integration geflüchteter Menschen. Dieser Arbeitgeberservice habe bereits viele positive Beispiele für Jobvermittlungen an große aber auch mittelständische Unternehmen gebracht. Die Erfahrungen zeigen, dass ein Fokus auf der Beseitigung von Qualifizierungsdefiziten, dem Spracherwerb und der Heranführung an deutsche Berufsmöglichkeiten, etwa in Form von Praktika, liegen müsse. Ein kurzer Weg werde das nicht, macht Lehwald deutlich: Für das erste Jahr erwarte man, zehn Prozent der arbeitsfähigen Geflüchteten in Arbeit bringen zu können.

VBKI 2016 – VBKI Spiegel. Das Titelgespräch – Way to work: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Mario Lehwald, Franziska Hartmann (Arrivo), Franziska Birnbach (Start with a Friend), Gerd Appenzeller | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Auch zahlreiche Initiativen setzen sich für die berufliche Integration geflüchteter Menschen ein. So zum Beispiel die Arrivo Berlin Übungswerkstätten, ein Projekt der IHK: Im modular aufgebauten Programm können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst die hauseigene Werkstatt und verschiedene Handwerksberufe kennenlernen, begleitet von einem berufsvorbereitenden Sprachkurs. Im Anschluss werden zielgerichtet Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsstellen in den Partnerbetrieben vermittelt.

Auf die Bildung von sozialen Netzwerken setzt die Initiative Start with a Friend e.V.: Ziel ist es, die Isolation von Flüchtlingen aufzubrechen und so von Beginn an die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Dafür bringt der Verein sogenannte Tandems zusammen, bei denen sich Einheimische und Geflüchtete regelmäßig treffen und so eine freundschaftliche Beziehung aufbauen.

Franziska Hartmann, Start wit a Friend | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Franziska Hartmann, Start wit a Friend | Foto: Businessfotografie Inga Haar

„Wir hatten selbst erlebt, wie einfach und gleichzeitig effektiv es ist, soziale Anknüpfungspunkte zu schaffen und waren ganz euphorisiert davon. Dieses Erlebnis wollten wir der breiten Masse zugänglich machen“, erklärt Gründerin Franziska Birnbach zum Grundgedanken. Heute zählt Start with a Friend e.V. über tausend Tandems und ist in zehn Städten aktiv. Dass das Thema Arbeitsmarktintegration immer wichtiger wird, macht sich auch hier bemerkbar, und so entwickeln sich derzeit neue Konzepte. Im Oktober startete das Projekt H&M Meets The World: Das Tandem-Progamm, an dem neben Start with a Friend auch die DO School beteiligt ist, bildet eine Brücke zwischen Geflüchteten und H&M-Mitarbeitern: Nach einem intensiven Vorbereitungstag finden monatlich gemeinsame Treffen statt, bei denen je nach individuellen Bedürfnissen verschiedene Themen bearbeitet werden – von der Arbeitskultur in Deutschland bis zu Kommunikationsfähigkeiten und der Erstellung einer erfolgreichen Bewerbung. Zusätzlich verabreden sich die jeweiligen Tandems zu individuellen Treffen.

VBKI 2016 – VBKI Spiegel. Das Titelgespräch – Way to work: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Zwei Freunde von „Start with a Friend“ kamen auch zu Wort. Am Mikro: Tarek aus Syrien. Er lebt seit 18 Monaten in Berlin. Der Gasingenieur ist auf der Suche nach einem „richtigen Job“, ein Praktikum bei der GASAG ist ihm schon sicher | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Dass es eine Vielzahl an Projekten, Initiativen und engagierten Menschen braucht, um die Arbeitsmarktintegration erfolgreich zu meistern, darüber war man sich an dem Abend einig. Im abschließenden Get-Together wurden ausgiebig Kontakte geknüpft und Ideen ausgetauscht.

 Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ist ein Branchenverband mit 1.950 Mitgliedern. Er sieht sich als Sprachrohr und Interessenvertretung der Berliner Wirtschaft.

 

 

Weiterführende Informationen zum Thema:


Beitrag vom 27. Oktober 2016

Teilen Sie dieses Projekt

Helfen Sie, noch mehr potenzielle Wohltäter für dieses Projekt zu erreichen, indem Sie das Widget teilen. Kopieren Sie dazu einfach den folgenden HTML-Code und binden Sie diesen in Ihre Website ein.

Embed Code

<iframe src="http://alle-helfen-jetzt.de/way-to-work-wege-in-den-arbeitsmarkt/?widget=1" width="260px" height="500px" frameborder="0" scrolling="no" /></iframe>

Schreibe einen Kommentar